myfantasyreality.tk
In vier Wochen einen zehnminütigen Kurzfilm mit zwei gleichzeitig ablaufenden Perspektiven zu drehen, der sich nur über Bilder und Musik erklärt und trotzdem nicht den Faden verliert, all das mit einem Budget von dreihundert Euro, mehreren Statistenszenen und gleichzeitiger Berufstätigkeit, klingt nach einer unmöglichen Aktion. Die Produktion “myfantasyreality” war nicht leicht zu stemmen, aber jetzt, nach einer kleinen Ruhepause und einem finalen Schnitt, ist der Film letztendlich da gelandet, wo er hingehört: Im Internet!
Die Premiere fand Ende März in der Reithalle A auf einer vom Spartacus e.V. organisierten Ausstellung zur Jugendkultur(krise) in Potsdam statt. Leider konnte ich gar nicht daran teilnehmen, dank der wirklichen Berufstätigkeit, der ich nachging, verfolgte ich die Premiere im Olympischen Dorf von 1936 am Telefon, ausgelassen rumhüpfend vor dem Cateringwagen einer wesentlich größeren Produktion, als der Applaus zu hören war. Ich, Wilhelm Kapp, zwanzig Jahre alt, habe eigentlich nichts anderes im Kopf als bewegte Bilder. Das Leben ist schließlich eine ewig lange Einstellung, in der manchmal Langeweile herrscht und im nächsten Moment ein Ereignis das nächste jagt. Irgendwie spiegelt sich dieser Gedanke auch in “myfantasyreality” wieder, wobei auf der einen Seite des Schirms karge Tristesse herrscht und auf der anderen der Fantasie freier Lauf gelassen wird.
Myfantasyreality ist experimentell, überzogen, leichtsinnig und gerade dadurch so interessant. In dieser Welt gibt es nur Extreme, so wie im Gehirn eines 16-jährigen Jugendlichen, der sich selbst sucht, aber keine Antworten findet.
Der Film zeigt die Geschichte eines jungen Mädchens, das sich im Strom des stupiden Alltags verliert und nur über ihre eigene Fantasie Abwechslung findet. Nichts ist wahr. Alles ist erlaubt.
Wir begleiten sie einen Tag lang von der Schule bis zum nächtlichen Wandeln durch
die verlassene Stadt und geraten in einen intimen Sog betörend verstörender Gedanken. Wer also erfahren will, was im Kopf eines Schülers vorgehen kann, wenn er eine Klausur schreiben muss oder wie es ist, in einer Stadt zu leben, in der Abendgestaltung nur auf dem Reißbrett und in den Köpfen der Jugend stattfinden kann, der sollte ruhigen Gewissens mal einen Blick auf diesen Film werfen. Und am Ende geht es, für alle Romantiker, doch nur um das eine, große Gefühl, die Liebe, die selbst so unreal sein kann, dass sie auf der fantastischen Seite des Schirms am besten aufgehoben scheint.
Alles weitere findet ihr übersichtlich auf der Website www.myfantasyreality.tk (Youtube Stream, Download des Films, Soundtrack, weitere Infos)
Dieser Eintrag wurde verfasst am Mittwoch, 22. April 2009 um 13:32 und in der Kategorie Allgemeines und Sonstiges abgelegt. Antworten auf diesen Beitrag kannst du mit dem RSS 2.0 Feed verfolgen. Du kannst außerdem einen Kommentar abgeben oder einen Trackback von deinem Blog senden.



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